Erleben

Erfahrungen von Betroffenen und Angehörigen

"Reden hilft" - Ein Patientengespräch mit Annette Hans

07. November 2015   von   ANNETTE HANS

ANNETTE HANS

Die Diagnose Lungenkrebs war ein Schlag für mich! Ich dachte direkt, dass ich nun sterben muss und jetzt alles vorbei wäre. Gerade mal 39 Jahre alt, glücklich in einer 5- jährigen neuen Beziehung und als alleinerziehend geltend mit zwei Kinder im Alter von 9 und 12 Jahren. Wegen des Verdachtes auf einen Bandscheibenvorfall wurde ein MRT gemacht und man bekommt eröffnet, dass man nicht nur diesen, sondern auch noch einen Tumor von 4,5 auf 5,5 cm in der Lunge hat. Ardenokarzinom im Sinne eines Pancoast- Tumors im Stadion II B, sehr agressiv. In dieser Zeit habe ich viel geweint, war nervös und hatte unglaubliche Angst. Mein Lebensgefährte ( mittlerweile sind wir 7 Jahre verheiratet ) hat mich von Anfang an beruhigt, hat mir zugesprochen und mir Mut gemacht. Ohne Ihn hätte ich diese Zeit nicht durchgestanden.

Ich war fast 3 Monate am Stück in der Klinik und musste viele Untersuchungen erdulden, bekam eine Radio- Chemotherapie ( 20 Bestrahlungen und gleichzeitig Chemotherapie ), wurde operiert und nochmals bestrahlt. Zudem hatte ich viele Gespräche mit den Ärzten, unter anderem auch welche Therapie die geeigneteste für mich sei. Mein Lebensgefährte war wann immer er konnte, bei den Gesprächen dabei und hat mich bei den Therapieentscheidungen immer unterstützt. Das war eine große Hilfe.

Ihn kostete diese Zeit sehr viel Kraft. Er musste meine Erkrankung natürlich auch verarbeiten und hat viel mit seinem Bruder und seinem besten Freund gesprochen. Bei ihnen konnte er seine eigenen Ängste los werden, wohingegen er selber die Ängste von mir und den Kindern abfangen musste. Den Kindern sagten wir am Anfang nicht die Warheit. Ich wollte nicht, dass sie sich Sorgen machen. Erst als fest stand, dass ich eine Chemotherapie bekomme, haben mein Mann und ich sie informiert. Mein Sohn zog sich komplett zurück, ließ niemanden mehr an sich ran, meine Tochter weinte nur noch und hatte Angst. Beide bauten in der Schule ab und ihre Noten wurden zunehmend schlechter. Als mein Sohn sich immer mehr zurückzog und stiller wurde, habe ich mich lange mit ihm unterhalten. "Ich habe Angst, dass Du stirbst, Mama", sagte er zu mir. Ich gestand ihm dann, dass auch ich die ganze Zeit Angst davor habe, woraufhin wir uns umarmten und zusammen weinten. Ab diesen Moment konnten wir in der ganzen Familie offen darüber sprechen und die Kinder meine Erkrankung besser verarbeiten und akzeptieren. Heute weiß ich, dass man Kindern von Anfang an die Wahrheit sagen und sie mit einbeziehen sollte. Sie können es leichter verarbeiten und besser verstehen.

Seelisch und moralisch aufbauend war für mich auch der Austausch mit einer Psychologin in der Reha und mit anderen Patienten in der Klinik. Deren Geschichten und Erlebnisse zeigten mir, dass man mit Lungenkrebs leben kann. Diese offenen Gespräche haben mir sehr geholfen und mich motiviert, mich in der Selbsthilfe zu engagieren. Ich mache in zwei Krankenhäusern Patientenbesuche, um möglichst viele Menschen anzusprechen und zu informieren. Wichtig ist mir vor allem, dass die Betroffenen lernen, über ihre Erkrankung zu sprechen. Reden hilft, die Angst zu nehmen und neue Kraft und Mut zu schöpfen. Aus diesem Grund habe ich im März 2009 eine Selbsthilfegruppe mitgegründet und leite diese seitdem. Bei unseren monatlichen Treffen kann jeder erzählen, wie es ihm geht ( man darf auch nur zuhören ) und wir unterhalten uns viel über Neuigkeiten in der Behandlung, aber auch über Ängste und Probleme. Nicht zu vergessen sind auch die Angehörigen, die es meist viel schwerer haben, alles zu verstehen und zu verarbeiten. Auch diese sind bei uns herzlich willkommen, denn für die Betroffenen sind sie ein wichtiger Halt und Stütze. Zum Zeitpunkt meiner Erkrankung gab es noch keine Selbsthilfegruppen für Lungenkrebserkrankte und es gestaltet sich immer noch als schwierig Betroffene für die Selbsthilfe zu motivieren, da für viele diese Erkrankung noch ein Tabuthema ist und sie mit Selbstvorwürfen kämpfen und dem Stigma "Rauchen" konfrontiert werden. Auch denken viele "ich brauche das nicht und helfe mir selbst", haben eine falsche Vorstellung von Selbsthilfe, oder haben Angst, dass negative Erfahrungen sie in ihrer seelischen Verfassung zurückwerfen. Ich finde es schlimm, wenn man nicht darüber reden kann oder darf. Es kann ungemein erleichtern zu hören, dass andere Betroffene die selben Ängste durchlebt, oder die selben Nebenwirkungen gehabt haben. Diese Erfahrungen und Erlebnisse dann mit anderen zu teilen, genau das ist Selbsthilfe. Niemand kann das besser und ist ein Experte darin, als jemand der dies nicht selbst erlebt hat.

Neben meinem Engagement in der regionalen Selbsthilfegruppe bin ich außerdem Vorsitzende des Landesverbandes Baden-Württemberg für Lungenkrebskranke und deren Angehörige e.V. , Sprecherin in einem Patientenbeirat, gehe zu nationalen und internationalen Tagungen und Treffen, besuche Seminare, Vorträge und repräsentiere mit einem Stand unsere Gruppe oder Verband auf Informationsveranstaltungen und Patiententagen. Letztere halte ich für sehr wichtig, damit sich Betroffene umfassend informieren und austauschen können. Meine Erkrankung ist nun schon über 10 Jahre her und ich hoffe, dass ich mit meiner Geschichte anderen Betroffenen Mut machen kann. Und niemals vergessen: Reden hilft!




"Ich habe gelernt, dass es sehr wichtig ist, gemeinsam insbesondere auf die gesunden Anteile zu achten."
- Erfahrungen eines Angehörigen

09. August 2015   von   MICHAEL EHMANN

MICHAEL EHMANN

Herr Ehmann, Sie sind Angehöriger eines Lungenkrebspatienten. Vielleicht könnten Sie uns zunächst etwas über Ihre Rolle erzählen. Wie haben Sie die Erkrankung Ihres Bruders miterlebt?

Als mein Bruder Patient in der Thoraxklinik in Heidelberg wurde, war ich an der Klinik schon seit drei Jahren in der Pflege tätig. Ich wusste also, was es bedeutet, wenn ein Mensch an Lungenkrebs erkrankt. Genau zu seinem 40. Geburtstag teilte er mir mit, dass er einen auffälligen Befund im Brustkorb habe. Ich gab ihm dann den Rat, sich in der...

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"Wenn Sie noch etwas Wichtiges zu erledigen haben in Ihrem Leben, ..."

09. August 2015   von   CHRISTIAN SCHMITT-PLANK

CHRISTIAN SCHMITT-PLANK

Im Frühjahr 2007 wurde nach einer leichten, aber hartnäckigen Erkältung ein Lungenkarzinom in meiner Lunge diagnostiziert: Ich hatte zu der Zeit wiederholt nach dem Mittagessen etwas Blut gehustet, und da es kurz nach den Osterfeiertagen in der Firma etwas gemächlicher zuging, hatte ich, mehr aus Neugier denn aus echter Sorge, den Begriff "Bluthusten" in die Suche eines Medizin-Forums im Internet eingegeben. Zu meiner Überraschung führte mich die Trefferliste schwerpunktmäßig in die Lungenkrebs-Rubrik des Forums. Ich bin davon überzeugt, dass...

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Aktion "Licht fürs Leben" am Weltlungenkrebstag 17.Nov. 2013

25. November 2013   von   mk

Gedanken von Manfred Karp
Vorgetragen im Rahmen der Aktion "Licht fürs Leben" am Weltlungenkrebstag 17.Nov. 2013

Liebe Besucherin, lieber Besucher,
glücklicherweise haben Sie und ich den Vorzug, sehen zu können.
Dies geschieht, weil Licht alles anstrahlt und wir ein wunderbares Augenlicht haben.
So können wir z.B. kleinen Kinder beim Spielen zuschauen.
Das Licht gibt Hoffnung, Kraft und Wachstum: für Pflanzen aller Art, Blumen, Bäume, Früchte,
für kleine und große Tiere auf dem Land, Vögel in der Luft und die Fische im Wasser.
Wir können uns an allem, was das Licht hervorbringt, erfreuen:
an jeder Blume, an allen Pflanzen, sogar an Unkraut, wenn es blüht.
Die Wärme des Lichts lässt Wolken und Regen entstehen.
Weiße Wolken bringen uns zum Träumen. - Sie kennen das Lied?
Aus dunklen Wolken fällt kostbares Nass.
Das Licht ist unermüdlich, den ganzen Tag - bis es mit uns schlafen geht.
Carpe diem! Nutze den Tag! Wörtlich: Pflücke den Tag!
Es gibt immer noch viel zu pflücken, auch wenn es uns gerade nicht so gut geht!
Sehen wir die Blumen auf der Wiese und lauschen wir dem plätschernden Bach?
Sehen und staunen wir über die ersten zarten Knospen im Frühling, sind wir dankbar für die Früchte
im Sommer, die bunten Bäume im Herbst und die schneeweißen im Winter?
Sehen wir und erfreuen wir uns am Licht, das sogar durch dicke Wolken leuchtet?
Sind wir dankbar, dass die Sonne am nächsten Morgen wieder aufgeht?
Dankbarkeit ist ein wichtiger Schlüssel zum Glücklichsein.
Dankbarkeit macht frei und heiter. Wir können nicht verbittert sein, wenn wir dankbar sind.
Das Licht erwärmt die ganze Welt. Die warme Luft steigt nach oben und trägt mich im Segelflugzeug
hinauf. - Nun gibt es in allen Dingen notwendigerweise einen Gegensatz: Licht und Schatten, Freud'
und Leid, Gesundheit und Krankheit. Darum gibt es auch Abwinde, die mich manchmal fürchterlich
nach unten drücken, manchmal ohne Ende, denke ich.
Dann brauche ich Hoffnung und Glauben, dass es wieder aufwärts geht. Und irgendwann geht es
wieder aufwärts. Das habe ich in 8000 Flugstunden immer wieder erlebt. Daraus habe ich gelernt,
und es hat sich im Alltag bewährt. Auch jetzt mit Lungenkrebs und Metastasen.
Ja, Hoffnung und Glaube ist ein weiterer Schlüssel zum Glücklichsein. Dadurch können wir aus den
Abwinden herauskommen, um wieder empor getragen zu werden.
Ich wünsche Ihnen und mir immer Hoffnung und den Glauben, dass es wieder aufwärts geht; auch
indem wir uns am Licht und dessen wunderbaren Wirkungen erfreuen - und sei es nur an einem
Gänseblümchen!
In diesem Sinne ein paar Bilder aus meinem Film "Faszination Alpensegelflug - Die Schönheit und
Majestät der Alpen entdecken".
Von ganzem Herzen alles Gute

- Manfred Karp






Wanderung auf dem Jakobsweg

21. November 2013   von   bf

Anfang 2009 wurde bei mir Lungenkrebs festgestellt. Mein linker Lungenflügel musste komplett entfernt werden und ich unterzog mich einer Chemotherapie. Nach dieser Erkrankung entstand der Wunsch den Pfälzer Jakobsweg zu laufen und ich wollte mir beweisen, dass ich es auch mit einem Lungenflügel schaffen kann.
Ich habe mir meinen Wunsch erfüllt und schaffte in 5 Tagen 100 km.



Wanderung auf dem Jakobsweg, 2012
zu Fuß von Speyer bis Fischbach bei Dahn
Wanderung auf dem Jakobsweg, 2012
... auf dem camino
Wanderung auf dem Jakobsweg, 2012
nach 5 Tagen und 100 km in Fischbach

ohneKippe-Preis 2012

09. August 2013   von   me

Im Sommer 2000 wurden erstmals Schüler aus Heidelberg zu einer Informationsveranstaltung über die Risiken des Rauchens eingeladen. Mittlerweile nehmen jährlich nahezu alle weiterführenden Schulen Heidelbergs, Mannheims und des Rhein-Neckar-Kreises teil - pro Jahr sind das ca. 10.000 Jugendliche. Die Präventionsveranstaltungen sind an vielen Schulen fester Bestandteil im Curriculums. In einem Vortrag werden den Schülern die Risiken des Rauchens erläutert, danach wird über Live-Schaltung eine Lungenspiegelung übertragen und zum Abschluss ein Patient der Klinik - der an den Folgen des Rauchens erkrankt ist - interviewt. Zum 10jährigen Jubiläum der Kampagne wurde erstmals der ohnekippe-Preis verliehen. In diesem Jahr wird der ohnekippe-Preis an zwei Patienten der Thoraxklinik verliehen. Beide waren in jungen Jahren durch das Zigarettenrauchen schwer erkrankt und kamen während ihrer Klinikaufenthalte mit der Präventionskampagne als Interviewpartner in Kontakt. Die Zusammenarbeit hat sich so gut entwickelt, dass sie nach wie vor immer wieder ohnekippe-Veranstaltungen begleiten. Der Preis ist mit jeweils 1.000,- Euro dotiert und wird von der Klaus Tschira Stiftung gestiftet. Die Klaus Tschira Stiftung unterstützt die Präventionskampagne seit mehreren Jahren. Überreicht wurde der ohnekippe-Preis von Prof. Dr. Felix Herth, Chefarzt an der Thoraxklinik



ohneKippe-Preis 2012
Prof. Dr. Felix Herth, Erwin Priebe, Annette Hans und Prof. Dr. Peter Drings

Liebe Besucher

20. August 2012   von   csp

Hier soll eine neue Rubrik unserer Seite entstehen. In Form eines einfachen Blogs möchten wir an dieser Stelle Gedanken und Erfahrungen zum Thema Leben mit Lungenkrebs teilen. Kurze, selbstverfasste Beiträge von Betroffenen oder Angehörigen.
(vielleicht setzen wir zu einem späteren Zeitpunkt eine richtige Blogsoftware ein)





Letzte Aktualisierung
14. August 2016  (23:34:45 Uhr)

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